Deutsch-dänisches Bildungsprojekt: „Gemeinsam für Nachhaltigkeit“ zieht Erfolgsbilanz nach drei Jahren

Lübeck, den 31.08.2026 – Das deutsch-dänische INTERREG-Projekt „Fehmarnbelt Bildungsregion“ hat eine Reihe von Kooperationen mit Lübecker Beteiligung initiiert, die in enger Zusammenarbeit mit Bildungseinrichtungen, Unternehmen, Kulturorganisationen und öffentlichen Verwaltungen stattfanden. In diesem Kontext haben beispielsweise Schüler und Schülerinnen der Emil-Possehl-Schule und der Friedrich-List-Schule im Austausch mit dänischen Partnern aus einem gebrauchten Seecontainer durch Umbauten, Anbauten und technische Ausstattung eine mobile Bühne für die Fehmarnbelt Days in Lübeck entwickelt. Das Bildungsnetzwerk hat für die Projektlaufzeit von drei Jahren 16 Mio DKK (rund 2,1 Mio. Euro) aus einem EU-Fond erhalten.

Seit September 2023 arbeiteten die Zealand Business Academy, der Knowledge Hub Zealand und das Technikzentrum Lübeck (TZL) im Teilziel „Sustainable Together“ zusammen. Ziel des Projekts Bildungsregion war es, junge Menschen auf das Leben und Arbeiten in einer Region vorzubereiten, die durch die feste Fehmarnbelt-Querung enger zusammenwächst. Das Teilvorhaben Sustainable Together verband dafür technische, kreative und kulturelle Kompetenzen und brachte Perspektiven aus öffentlichen Organisationen sowie Unternehmen in die Bildungsarbeit ein, die im Bereich Nachhaltigkeit und Kreativwirtschaft tätig sind.

Das New European Bauhaus als Kompass

Als methodischer Rahmen für „Sustainable Together“ diente das New European Bauhaus (NEB), eine Initiative der Europäischen Kommission, die die Ziele des European Green Deal mit Kunst, Kultur, Wissenschaft und Technologie verbindet. Im Mittelpunkt stehen drei Leitgedanken: Beautiful, Sustainable und Together – also die Verbindung von Gestaltung und Lebensqualität, Nachhaltigkeit und gemeinschaftlicher Teilhabe.

Junge Erwachsene waren dabei unter anderem als sogenannte „Urban Weavers“ unterwegs: Sie identifizierten über 20 Initiativen, Projekte und Unternehmen in der Grenzregion – etwa von der Kulturfabrikken Skatehal in Naestvaed über das Restaurant Fangfrisch in Lübeck und das Zentrum für nachhaltige Entwicklung artefact in Glücksburg bis hin zum Fußballverein Nykøbing FC in Nykøbing und untersuchten diese mithilfe des New European Bauhaus Kompasses. Die Ergebnisse des dreijährigen Projekts liegen ab sofort als Veröffentlichung vor.

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der praktischen Umsetzung. In insgesamt fünf sogenannten Living Labs wurden Ansätze aus Workshops und lokalen Initiativen aufgegriffen und gemeinsam mit jungen Menschen weiterentwickelt. Ziel war es, die Leitgedanken des New European Bauhaus vor Ort sichtbar und erlebbar zu machen.

Neben der mobilen Container-Bühne „PopUp Stage #1“, die für die Fehmarnbelt Days entstand, wurde mit der „Biogenic Pop-Up-Stage“ eine weitere flexible Bühnenlösung entwickelt. Drei modulare Elemente aus recyceltem Holz kamen erstmals beim Næverlander Festival in Næstved zum Einsatz und sollen künftig in Lübeck, Kalundborg und Næstved von Jugendlichen genutzt und weitergestaltet werden. Die sogenannten „Letters of Life“ entstanden aus einer Workshop-Idee von Schüler des Køge Gymnasiums. Die Insektenhotels aus recyceltem Holz greifen die Logos verschiedener Projektpartner auf und verbinden so urbane Gestaltung mit Biodiversität und neuen Lebensräumen für Insekten. Sie sollen die Natur näher an städtische Gebiete bringen und ungenutztes Land wertsteigern. Weitere Living Labs widmeten sich der nachhaltigen Gestaltung des Musik- und Musikveranstaltungsorts Gimle in der Stadt Roskilde sowie traditionellen Fachwerktechniken am Hafen von Næstved. Dabei erprobten Studierende neue Ansätze für nachhaltige Stadträume und ressourcenschonendes Bauen.

Vom Seecontainer zur deutsch-dänischen Pop-up-Bühne auf den Fehmarnbelt Days

Ein weiterer Höhepunkt entstand anlässlich der Fehmarnbelt Days in Lübeck. Schüler und Schülerinnen der Emil-Possehl-Schule und der Friedrich-List-Schule entwickelten im Austausch mit dänischen Partnern die „PopUp Stage“: Aus einem gebrauchten Überseecontainer entstand durch Umbauten, Anbauten und technische Ausstattung eine mobile Bühne.

Ihr erster Einsatz erfolgte bei den Fehmarnbelt Days. Doch damit endet das Projekt nicht: Der Container wird von den Schulen weiterhin genutzt und soll künftig auch Raum für kulturelle und kreative Veranstaltungen schaffen, die Begegnung und Austausch fördern. Auch ein Einsatz bei den nächsten Fehmarnbelt Days 2027 in Helsingborg ist geplant. Damit steht die Pop-up-Bühne beispielhaft für einen zentralen Gedanken des Projekts: Bestehende Ressourcen neu zu denken, gemeinsam etwas Dauerhaftes zu schaffen und jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, ihre Umgebung selbst mitzugestalten.

Lübeck als Lern- und Gestaltungsraum

Auch die Lübecker Kulturwerft Gollan wurde bei einem Workshop letzten November mit 150 deutsch-dänischen Teilnehmenden zum Lernort für die deutsch-dänische Zusammenarbeit. Vorträge und Impulse zur Geschichte und Umnutzung der ehemaligen Werft von Thilo Gollan sowie zu Kunst- und Kulturprojekten bildeten den Ausgangspunkt für eine Erkundung der Lübecker Altstadt. Die teilnehmenden Schüler und Schülerinnen machten sich dort auf die Suche nach Orten, mit denen sie eine persönliche Bedeutung, besondere Schönheit oder Entwicklungspotenzial verbanden. Damit wurde Stadtentwicklung nicht abstrakt diskutiert, sondern unmittelbar mit der Wahrnehmung und den Ideen junger Menschen verknüpft.

Neben den sichtbaren Projektergebnissen liegt ein wesentlicher Erfolg von „Sustainable Together“ in den entstandenen Beziehungen. Über drei Jahre kamen Schüler, Studierende und Lehrkräfte ebenso miteinander in Kontakt wie Bildungseinrichtungen, Unternehmen, Initiativen und öffentliche Akteure aus beiden Ländern.

„Eine innovative Grenzregion zu schaffen und unsere Attraktivität für zukünftige Arbeitskräfte zu erhalten, sind entscheidende Aufgaben. Projekte wie die Bildungsregion zeigen, welchen Mehrwert es hat, junge Menschen frühzeitig zusammenzubringen und Bildung, Wirtschaft und regionale Entwicklung grenzüberschreitend zu denken“, sagt Dr. Frank Schröder-Oeynhausen, Geschäftsführer des Technikzentrums Lübeck.

Rasmus Petrussen, Dozent an der Zealand Business Academy und Leiter des Teilziels betont: „Wir haben in diesem Projekt nicht nach Problemen gesucht, sondern nach Potenzial: für neue Geschäftsideen, für nachhaltiges Bauen, für echte deutsch-dänische Freundschaften. Genau das hat unsere Studierenden dazu gebracht, die Fehmarnbelt-Region als gemeinsamen Raum voller Möglichkeiten zu sehen.“

Bei der Abschlusskonferenz des Gesamtprojekts in Naestved Ende April wurde der Blick deshalb auch auf die zukünftige Zusammenarbeit gerichtet. In der Paneldiskussion „Visionen für die Fehmarnbelt-Zusammenarbeit“ diskutierten unter anderem Kenneth Sørensen, Bürgermeister der Næstved Kommune, Lübecks Wirtschaftssenatorin Pia Steinrücke, Kathrine Monsrud Ekelund, Vorsitzende des Interreg-Ausschusses der Region Sjælland, und Johannes Callsen, Beauftragter für die deutsch-dänische Zusammenarbeit des Landes Schleswig-Holstein.

Aus Projektideen entstehen neue Kooperationen

Aus der Zusammenarbeit sind zudem Impulse für neue grenzüberschreitende Vorhaben entstanden. Dazu gehört das Projekt FachVaerk, das sich künftig gezielt mit Kreislaufwirtschaft im Bauwesen beschäftigt und Kommunen, Bildungseinrichtungen und Unternehmen aus Deutschland und Dänemark noch enger miteinander verknüpfen soll.

Fakten zu „Sustainable Together“

  • Projekt: INTERREG Deutschland-Danmark „Bildungsregion – Dannelsesregionen“
  • Teilziel 2: Sustainable Together
  • Projektlaufzeit: 1. September 2023 bis 31. August 2026
  • Partner im Teilziel: Zealand Business Academy, Knowledge Hub Zealand und Technikzentrum Lübeck
  • Aktivitäten: fünf Workshops insbesondere für Schüler und Studierende, Kurse für Lehrkräfte sowie fünf praktische Living Labs
  • Thematische Schwerpunkte: Nachhaltigkeit, Bildung, Kultur und Kreativität, Teilhabe, MINT, Künstliche Intelligenz und Prototyping
  • Methodischer Rahmen: New European Bauhaus und New European Bauhaus Kompass
  • Abschlussveröffentlichung „Sustainable Together“ als PDF zum Download unter: https://tzl.de/fehmarn-belt-learning-region/

Kontakt Deutschland
Nils Eckardt
Projektmanager Bildungsregion
Technikzentrum Lübeck (TZL)
eckardt@tzl.de

Kontakt Dänemark
Rasmus Petrussen
Projektleitung Teilziel 2 „Sustainable Together“
Zealand Business Academy
rasp@zealand.dk